Welche Planarten gibt es – und wofür sind sie?

  • Grundriss-/Installationsplan: Steckdosen, Schalter, Leuchten, Datenpunkte – positionsbezogen im Raum.
  • Stromkreisplan / Stromkreisübersicht: Welche Verbraucher hängen an welchem LS/RCD, inkl. Nummerierung.
  • Einlinienschaltbild (Single Line): Aufbau der Energieverteilung (Netz, Zähler, HV/UV, Schutzgeräte).
  • Stromlaufplan (Mehrlinien): Detaillierte Verdrahtung (Klemmen, Relais, Schütze, Signale).
  • Verteilerplan: Aufbau/Belegung der Verteilung, Gerätezuordnung, Beschriftungssystem.
  • GA-/Netzwerkpläne: KNX/BACnet/Modbus, IP-Topologie, Switches, Gateways, Server.

Der schnellste Weg: So lesen Sie Elektropläne in 7 Schritten

  1. Legende & Planstatus prüfen: Symbolerklärung, Planindex, Datum, Gültigkeit.
  2. Projekt-/Raumbezug verstehen: Geschoss, Achsraster, Raumbezeichnungen und Raumnummern.
  3. Stromkreisnummern suchen: Jede Steckdose/Leuchte sollte einem Stromkreis zugeordnet sein.
  4. Schutzgeräte nachvollziehen: RCD/FI, LS, ggf. AFDD, Überspannungsschutz – Zuordnung im Verteilerplan.
  5. Leitungswege & Installationszonen: Trassen, Steigeschächte, Durchdringungen, Brandschutzkennzeichnungen.
  6. Schnittstellen erkennen: GA, PV, Speicher, Ladeinfrastruktur, IT/Netzwerk – wer spricht mit wem?
  7. Offene Punkte prüfen: Bemaßungen, Hinweise, Revisionswolken, „Rückfragen“-Marker, fehlende Zuordnungen.

Wichtige Begriffe, die ständig auftauchen

  • HV/UV: Haupt- / Unterverteilung
  • RCD (FI): Fehlerstrom-Schutzschalter
  • LS: Leitungsschutzschalter (z. B. B16)
  • SPD: Überspannungsschutz (Surge Protective Device)
  • PE/N/L: Schutzleiter / Neutralleiter / Außenleiter
  • NYM-J 3×1,5: Leitungstyp mit Aderanzahl und Querschnitt
  • IP-Schutzart: Schutz gegen Berührung/Staub/Wasser (z. B. IP44)
  • Selektivität: Auslösung „geordnet“, damit nicht alles gleichzeitig abschaltet

Typische Symbole: Was bedeutet was?

Die genaue Darstellung hängt vom Bürostandard ab. Entscheidend ist immer die Legende. Häufige Elemente:

  • Steckdose (SCHUKO): 230-V-Steckdosen, teils mit Zusatz (z. B. „AP“ Aufputz, „UP“ Unterputz)
  • Datenanschluss (RJ45): Netzwerkdose, oft mit Port-/Patchfeld-Referenz
  • Leuchte: Symbol je nach Typ, häufig mit Leistung/Schaltgruppe
  • Schalter/Taster: Einfach/Wechsel/Kreuz, oder Taster für GA
  • Bewegungsmelder/Präsenz: Sensor mit Erfassungsbereich
  • Rauchwarnmelder: meist mit separatem Hinweis (230V / Batterie / Vernetzung)
  • Verteiler: HV/UV-Schrank, oft mit ID (z. B. UV-1.)

So verstehen Sie Stromkreise und Verteilerpläne

Wenn Sie wissen wollen, „was hängt wo dran“, sind diese Punkte entscheidend:

  • Stromkreis-ID: z. B. „-F1.12“
  • Absicherung: z. B. „LS B16“ oder „C16“
  • RCD-Zuordnung: z. B. „RCD-2 / 30 mA“
  • Leitung: z. B. „NYM-J 3×2,5“ und ggf. Verlegeart/Trasse
  • Verbrauchergruppe: Küche, Bad, IT, Beleuchtung, Außen – ideal getrennt

Praxis-Tipp: Wenn ein Raum „dunkel“ ist oder Steckdosen ausfallen, finden Sie über die Stromkreis-ID im Grundriss schnell den passenden LS/RCD im Verteilerplan.

Gebäudeautomation & „Smart“: Worauf man im Plan achten sollte

  • Bus-/IP-Topologie: Linien, Segmente, Switches, Gateways
  • Adressierung: KNX-Gruppenadressen, BACnet-Objekte, Modbus-Register (systemabhängig)
  • Schaltgruppen & Szenen: Welche Leuchten/Jalousien gehören zusammen?
  • Sensorik: Präsenz, CO₂, Temperatur – Position und Funktionsbeschreibung
  • Security: VLAN/Segmente, Fernzugriff, Zugangsdatenverwaltung (nicht im Klartext im Plan)

Typische Fehler, die man beim Lesen sofort erkennt

  • Fehlende Stromkreiszuordnung oder uneinheitliche Nummerierung
  • Zu viele Verbraucher auf einem Stromkreis (Überlast-/Komfortproblem)
  • Unklare Schutzkonzepte (RCD-Zuordnung fehlt, Außen/Feuchtbereiche nicht separat)
  • Keine Reserven in Verteilungen oder fehlende Platzangaben
  • Fehlende Trassen/Brandschutzangaben bei Durchdringungen

Checkliste: Elektroplan in 5 Minuten „verstehen“

  • Planindex/Datum/Legende geprüft?
  • Raumbezug klar (Raumnummern, Nutzung)?
  • Alle Punkte (Steckdosen/Leuchten) einem Stromkreis zugeordnet?
  • RCD/LS-Zuordnung im Verteilerplan nachvollziehbar?
  • Leitungswege/Trassen/Brandschutz markiert?
  • GA-/Netzwerkschnittstellen eindeutig dokumentiert?

FAQ: Elektropläne lesen

Kann ich als Laie Elektropläne sicher interpretieren?

Für Orientierung (Positionen, Stromkreiszuordnung, Grundlogik) ja. Für Änderungen, Bewertung von Schutzmaßnahmen und Ausführung ist eine Elektrofachkraft erforderlich.

Was ist der Unterschied zwischen Einlinienschaltbild und Stromlaufplan?

Das Einlinienschaltbild zeigt die Struktur der Energieverteilung vereinfacht. Der Stromlaufplan zeigt die detaillierte Verdrahtung und Signalführung.

Welche Planunterlagen sind für eine Abnahme entscheidend?

As-Built-Pläne, Verteiler-/Stromlaufpläne, Leitungsverzeichnisse sowie Prüf- und Messprotokolle (inkl. RCD/Isolationsmessung).

Warum stimmen Pläne und Baustelle manchmal nicht überein?

Weil Änderungen „vor Ort“ nicht zurückdokumentiert werden. Deshalb sind klare Planstände, Änderungsprotokolle und As-Built-Pflege entscheidend.

Hinweis: Symbole und Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Bürostandard. Maßgeblich ist immer die projektspezifische Legende und der freigegebene Planstand.