Worum es wirklich geht

  • Recht & Haftung: Nachweis der „anerkannten Regeln der Technik“, Abnahmefähigkeit, Gewährleistung.
  • Qualität & Änderungsmanagement: Klare Planstände, reproduzierbare Entscheidungen, weniger Nachträge.
  • Betrieb & Wartung: Schnellere Störungsbeseitigung, sichere Eingriffe, geringere Ausfallzeiten.

Was in eine vollständige Elektro-Dokumentation gehört

  • Pläne & Schemata: Grundrisse mit Installationszonen, Stromlauf-/Verteilerpläne, Netz-/Topologieschemata.
  • Leitungsverzeichnis & Beschriftung: Kabel-/Aderlisten, Querschnitte, Trassen, eindeutige Kennzeichnung.
  • Schaltpläne & Klemmenpläne: Schrankaufbau, Klemmen-/Kabelpläne, Stücklisten.
  • Berechnungen: Last-/Kurzschluss-/Spannungsfall, Selektivität, Schutzmaßnahmen (z. B. RCD/AFDD-Konzept).
  • Geräte-/Komponentenlisten: Fabrikate, Artikelnummern, Parametrierung (z. B. KNX/GA, Schutzgeräte-Settings).
  • Prüf- & Messprotokolle: Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, RCD, Funktions- und Inbetriebnahmeprotokolle.
  • Dokumente für Betreiber: Bedien- und Wartungsanleitungen, Ersatzteil- und Serviceinfos, Übergabeprotokoll.

Versionierung, BIM & digitale Übergaben

  • Planstände konsequent führen: Dateinamen mit Projekt, Gewerk, Index, Datum; Changelogs pro Stand.
  • Common Data Environment (CDE): Freigabeprozesse, Rollen, Leserechte; „eine Quelle der Wahrheit“.
  • BIM/IFC & Datenkonsistenz: Attribute/Tagging definieren (Räume, Stromkreise, Lasten), Exportregeln festlegen.
  • As-Built = As-Operated: Nach Inbetriebnahme reale Einstellungen/Seriennummern zurückschreiben.

Übergabe & Abnahme – ohne Reibungsverluste

  1. Vollständigkeitscheck: Pläne, Berechnungen, Protokolle, Konfigurations-Backups.
  2. Beschriftung vor Ort: Verteiler, Geräte, Stromkreise, Leitungen – deckungsgleich mit Plänen.
  3. Funktionsnachweise: Prüf-/Inbetriebnahmelisten mit Verantwortlichkeiten und Datum.
  4. Betreiberpaket: Wartungsplan, Ersatzteile, Zugangsdaten, Notfall- und Wiederanlaufhinweise.

Checkliste: Sind wir dokumentationsreif?

  • Planindex & Freigabestand eindeutig?
  • Leitungsverzeichnis inkl. Querschnitte & Streckenlängen vorhanden?
  • Selektivitäts-/Kurzschlussberechnungen nachvollziehbar?
  • Beschriftungssystem definiert (Verteiler, Stromkreise, Klemmen)?
  • Mess- & Inbetriebnahmeprotokolle vollständig unterschrieben?
  • As-Built-Pläne und Parametrierungen gesichert (Backup)?
  • Betreiberunterlagen inkl. Wartungsplan übergeben?

Typische Fehler – und wie man sie vermeidet

  • „Planung nach Bauchgefühl“: Berechnungen fehlen → immer dokumentieren, Software-/Version angeben.
  • Uneinheitliche Benennungen: Keine IDs → verbindliche Nomenklatur und Beschriftungsvorgaben.
  • As-Built nie nachgeführt: Änderungen auf der Baustelle nicht zurückgespielt → Abnahme verzögert, Betrieb leidet.
  • Lose Zettel & verstreute Daten: Kein CDE → ein zentraler, revisionssicherer Ablageort.
  • Kein Übergabegespräch: Betreiber versteht Anlage nicht → Einweisung mit Protokoll fix einplanen.

FAQ: Dokumentation in der Elektroplanung

Reicht eine Planmappe in PDF?

Nein. Zusätzlich braucht es Berechnungen, Mess-/Inbetriebnahmeprotokolle, Stücklisten, Konfigurationsdaten und ein klares Änderungsprotokoll.

Wie oft müssen Planstände aktualisiert werden?

Nach jeder freigegebenen Änderung. As-Built muss den realen Zustand nach Inbetriebnahme abbilden – sonst sind Wartung und Haftung riskant.

Ist BIM Pflicht?

Nicht immer. Aber strukturierte Daten und klare Schnittstellen sparen massiv Zeit und reduzieren Fehler – auch ohne „großes BIM“.

Wie sichere ich mich als Betreiber ab?

Übergabeprotokoll mit Inventar, Backups von Konfigurationen, Zugangsdaten, Wartungsplan und eindeutige Kennzeichnung vor Ort.

Hinweis: Die konkrete Ausprägung richtet sich nach Projektgröße, Normenumfang und Betreiberanforderungen. Einheitliche Benennungen und ein CDE zahlen sich in jedem Projekt aus.